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Burgmuseum Parsberg

Das etwas andere Klassenzimmer

Burgmuseum Parsberg

Nicht wenn es sich um das Burgmuseum in Parsberg handelt! Die Burganlage über der Stadt ist vielen sicherlich als Veranstaltungsort der Burgspiele ein Begriff. Zu Unrecht weniger bekannt ist vielleicht das Museum im unteren Burgteil aus dem 17. Jahrhundert. Auf 1.200 Quadratmetern entfaltet die Sammlung ein buntes, gleichwohl differenziertes Potpourri aus historischen (vorgeschichtlichen), volkskundlichen und zeitgeschichtlichen Exponaten, immer versehen mit ausführlichen Erläuterungen, die dem Verständnis den Weg ebnen. Selbst ein Audioguide mit 43 Stationen ist seit einigen Jahren verfügbar

Eine spezielle Art von Klassenzimmer also! Genau deshalb machte sich am Montag, 02. Mai die Klasse 12 FW 2 mit Ihren Lehrkräften OStR Hannes Fischer und OStR Roman Schieder auf den Weg in die viertgrößte Stadt des Landkreises Neumarkt. Ihr besonderes Interesse galt der zeitgeschichtlichen Abteilung, speziell der Zeitspanne zwischen dem Beginn des 1. Weltkrieges 1914 und dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur 1945. 

Worin besteht nun das Besondere der Parsberger Sammlung? Geschehnisse, im Geschichtsbuch mehr oder weniger zwangsläufig auf hoher Abstraktionsebene abgehandelt, werden vor Ort (be-) greifbar und erlebbar. Da sind die rund 3.000 Feldpostbriefe, die der Velburger Lehrer Peter Utz aus dem 1. Weltkrieg nach Hause schrieb, ehe er im Dezember 1917 in Frankreich fiel. Da ist eine Hakenkreuzfahne von der NSDAP-Ortsgruppe Beratzhausen aus den frühen 1930er Jahren. Da sind Fotos und Texte, in denen Maria Breindl aus Gießen (die später nach Parsberg geheiratet hat) über ihre Zeit im hiesigen Lager  für „Arbeitsmaiden“  des Reichsarbeitsdienstes berichtet.

Ausführlich dokumentiert ist nicht zuletzt das bewegende Schicksal von Franz Pflügl (1915 in Parsberg geboren), an dem sich für heutige Jugendliche sehr augenfällig nachvollziehen lässt, wie ein junger, sportbegeisterter Abiturient durch den Nationalsozialismus vereinnahmt wurde: Vom Erhalt des Reifezeugnisses im März 1936 bis zu seinem Tod im Februar 1945, einer Zeitspanne von annähernd neun Jahren, durfte er ziemlich genau ein dreiviertel Jahr so etwa wie einem zivilen Leben nachgehen, in Form einer Ausbildung zum Zollinspektor. Ein totalitäres Regime hat ihn um seine Jugend, seine Zukunftshoffnungen, und letztlich um sein Leben gebracht. So ist er ein prototypischer Vertreter einer verführten und betrogenen Generation.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Franz Pflügl die Schrecken des Krieges erlebt, und wie sie ihn innerlich verändert haben, kann eine 2021 erschienene Edition seiner Feldpostbriefe im Burgmuseum käuflich erwerben. Wer auf das Burgmuseum insgesamt neugierig geworden ist. dem sei ein Besuch dort nachdrücklich empfohlen!

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Vorsitzenden des Fördervereins Burg Parsberg, Herrn Hans Skalet, für die überaus kenntnisreiche Führung und die engagierte Betreuug unseres Aufenthalts! 

Text: Roman Schieder, OStR / Fotos: Hannes Fischer, OStR

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